Bericht über die Initiative für den Obstgarten alter Obstsorten
Der Gottscheer Altsiedler Verein ist seit einigen Jahren auch im Bereich der Sammlung und Bewahrung von alten Obstsorten aktiv. Genetisches Material soll im ganzen Gottscheerland gesammelt werden (aber auch in ganz Slowenien). Um den Fortbestand der Sorten zu sichern, müssen die alten Sorten auf Unterlagen veredelt und in einem Obstgarten zusammengefasst werden. Diese Zusammenfassung und dieselben Standortvoraussetzungen werden außer dem Erhalt auch bessere Voraussetzungen für die Beobachtung der Wuchseigenschaften usw. der alten Sorten ermöglichen
Warum Obstsorten?
Die Gottscheer sind als Hausierer jahrhundertelang (seit 1492) in halb Europa herumgekommen und haben traditionell von diesen Wegen Edelreiser mitgebracht. Wegen des rauhen Klimas im Gottscheerland waren es in erster Linie sehr widerstandsfähige Sorten von Äpfeln und Birnen. Nach der Umsiedlung im Jahr 1941 wurden im Hornwald die leeren Dörfer von der italienischen Armee niedergebrannt. Der Wald nahm wieder Überhand und doch gibt es oft mitten im Wald noch Obstbäume, die seither ohne jede Pflege, Spritzmittel, Dünger normal weiter bestehen und gesunde Früchte tragen. Diese Bäume sind nicht nur als überlebende alte Sorten interessant (gewisse konnten noch nicht identifiziert werden), sondern auch wegen der Schmackhaftigkeit und Widerstandskraft der Bäume. Im Obstbauinstitut Laimburg (Südtirol) wurde festgestellt, dass diese Früchte außerordentlich reich sind an Antioxidantien und Polyphenolen. Derzeit ist die Parzelle für den Obstgarten gesichert und schon teilweise bepflanzt, andererseits hat aber eine Baumschule (DI Vlado Dolinšek bei Marburg) auch schon angefangen, zu veredeln, damit es nicht dazu kommen kann, dass ein Baum abstirbt oder sogar gefällt wird und das genetische Material verloren wäre.
Für den Garten gelang es dem Verein am Kulturzentrum in Krapflern vom staatlichen Grundstücksfonds ca. 2 ha landwirtschaftliche Fläche auf 99 Jahre zu pachten. Auf dieser Parzelle (am Kulturzentrum des Vereins) mussten Bäume und Gebüsch gerodet werden (dabei leisteten Vereinsmitglieder ca. 1.800 Stunden freiwillige Arbeit (auch mit Geräten - Motorsägen, Treckern, sogar einige Baggerstunden, teilweise wurde Sprit, Essen usw. privat bezahlt). Danach wurden mit Baggern Baumstöcke, Steine und Felsen beseitigt, mit dem Stein ein 200 m langer und 3 m breiter Fahrweg durch die künftige Anlage gebaut (Baggerarbeiten im Wert von ca. 12.742 EUR wurden als Anleihe einstweilen vom Obmann DI August Gril privat, über seine Firma, bezahlt). Im ersten Jahr (2007) waren 2 ha Grasflächen nach der Rodung schon begrünt. Angelegt worden ist auch ein Zugang zum Bach (zur Bewässerung), rund herum ist der Zaun mit zwei Eingängen fertig (an der Straße ein schönerer, dekorativer Zaun – 16.000 Euro, hinten, am Wasser ein Wildschutzzaun aus Drahtgeflecht). Die Gesamtlänge beträgt 350 m. Der Zaun wurde von der Minderheitenabteilung der Autonomen Region Trentino-Südtirol (im Betrag von 20.000 Euro) gefördert. Den einfacheren Zaunteil haben wir wieder auch mit freiwilliger Arbeit aufgestellt. Nach ursprünglichem Kostenvoranschlag hätte der Zaun 30.000 Euro gekostet, wir haben aber vom Zaunlieferanten für den teureren Zaunteil einen Sonderrabatt von 2.000 Euro bekommen. Gepflanzt worden sind schon 70 Bäumchen, die 2008 schon veredelt wurden.Im Jahr 2006 wurde für die EU-Ausschreibung AGRIGENS das Projekt ALPFRUVAR (genetische Analyse und Erhaltung alter Obstsorten) eingereicht. Partner waren außer dem Verein die Biotechnische Fakultät der Universität Ljubljana (Prof. Dr. Štampar, Dr. Aleksander Šiftar, Doz. Dr. Gregor Osterc), die BOKU Wien, die Obstbauversuchsanlage der Kammer für Land- und Forstwirtschaft Kärnten in St. Andrä (Ing. Siegfried Quendler, DI Dianat Katharina), das Obstbauinstitut Laimburg (Südtirol, Prof. Dr. Joseph Dalla Via und Dr. Astrid Flandorfer). Das Projekt wurde von Dr. Manfred Büchele, Obstbauversuchsanstalt Bavendorf (Baden Württemberg) ausgearbeitet und eingereicht, leider zwar ganz gut bewertet, aber nicht zur Finanzierung angenommen.
Nun haben wir die Möglichkeit bekommen, hier in Slowenien ein LEADER-Projekt einzureichen. Wie im ursprünglichen (ALPFRUVAR) Vorhaben vorgesehen, soll auch nach dem neuen Projekt der Altsiedler Verein die Sammlung des genetischen Materials und in seinem Rahmen einen Obstgärten organisieren. Die alten Obstbäume im Wald könnten doch früher oder später absterben oder sogar gefällt werden, obwohl derzeit die Waldarbeiter den Auftrag haben, keine Obstbäume zu fällen. Möglich sind auch schwere Schäden durch Wild (Hirsche, Bären, die hinauf klettern). Um den Fortbestand des genetischen Materials zu sichern, muss es also an einer Stelle (natürlich entsprechend gekennzeichnet, mit GPS Angaben des ursprünglichen Standorts usw.) gesammelt werden. Es fehlt uns ein paralleler Obstgarten in genügender Entfernung (wegen Feuerbrand usw.), dafür wäre Kärnten ideal. Außerdem haben wir für künftige Projekte auch Empfehlungen für die Verarbeitung je nach Sorte vorgesehen, wofür es in Slowenien derzeit noch keine Praxis gibt, wir hoffen auf eine Zusammenarbeit mit Frau Katharina Dianat, die nicht nur eine anerkannte Pomologin ist, sondern sich gerade auch mit der Verarbeitung beschäftigt hat. Für das für das Jahr 2010 vorgeschlagene (und erst im ersten Gang genehmigte) LEADER-Projekt haben wir einen Kostenvoranschlag in der Höhe von 79.700 € (mehr als 80.000 durfte es laut Ausschreibung nicht sein) vorgeschlagen, ob es genehmigt wird und in welcher Höhe steht noch offen. In Kärnten ist ebenfalls ein LEADER-Projekt mit sehr ähnlichen Themen (Titel: „Erhaltung der traditionellen wein- und obstbaulichen Kulturlandschaft in Kärnten durch Nutzung (BIOWOKS) Antragsteller: LK Kärnten) eingereicht, dieses ist allerdings noch nicht genehmigt.
Unser Verein hat großes Interesse daran, außer Südtirol auch das Land Kärnten einzubinden. Ständig in Kontakt sind wir mit Herrn Ing. Siegfried Quendler (Leiter der OVA St. Andrä) und Frau DI Katharina Dianat (früher LK Kärntnen/OVA, derzeit in der Abtl. 11 im Rahmen der Feuerbrandbekämpfung tätig). Sehr gut sind unsere Kontakte mit dem Land Südtirol (diese laufen über DDr. Karl Rainer, Dr. Holzer und früher mit Prof. Dr. Dalla Via). Der Landeshauptmann Dr. Durnwalder hat vermittelt, dass wir von der Stiftung Südtiroler Sparkasse einen Schlepper (New Holland) mit Anhänger – insgesamt 6.Rad-Antrieb – im Wert von 48.000 EUR für die geplante Anlage bekommen haben. Er war sehr erfolgreich im Einsatz schon bei der Reinigung des Geländes und Pflanzung usw.
DI Agr. August Gril, Obmann