Über die Verleumdungen ...

 

 

Liebe Landsleute!

Ich möchte vier Verleumdungen ausräumen, die unter den Gottschern die Runde machen und unsere Zusammenarbeit negativ beeinflussen könnten.

1) dass ich Geld (von Frau Deutschmann) veruntreut habe und überhaupt Geld für mich verwende.

Schon 2002 haben wir festgestellt, dass Frau Deutschmann nie Geld an mich überwiesen hat, sondern an die Landsmannschaft in Klagenfurt. Alles was sie herumgeredet hat – in Slowenien, in Deutschland – und was noch heute die Gottscheer in Amerika so reden, hat keine Grundlage. Sie hat mir ein Entschuldigungsschreiben geschickt, das ich nun vervielfältigt habe – und bitte alle Anwesenden, diese Tatsache zur Kenntnis zu nehmen und auch an ihre Vereine weiterzuleiten. Weder ich noch sonst jemand in unserem Verein hat je etwas für sich abgezweigt.

2) dass ich Mitglied der kommunistischen Partei gewesen bin.

Aus der Dokumentation der ehemaligen jugoslawischen Staatssischerheitsdienstes (»Udba«) geht klar hervor, dass ich nie Mitglied der kommunistischen Pertei gewesen bin – aber auch, wie schlecht wir alle hier behandelt wurden, in erster Linie wegen unseren Kontakten mit den Gottscheern im Ausland. (Wir wurden bis Ende 1986 verfolgt.)

3) dass das Zentrum im Grundbuch auf mich eingetragen ist – aus dem Grundbuchauszug ist klar ersichtlich, dass Besitzer des Zentrums der Gottscheer Altsiedler Verein ist (Društvo kočevarjev staroselcev) (Eintrag 4. 7. 2002).

4) dass in unserem Verein bei den Abrechnungen nicht alles stimmt – alle Rechnungsprüfungen, die letzte am 28. 07. 2009 haben ergeben, dass alles stimmt. Für den Hauskauf und die Instandsetzungen wurde das schon 2002 bestätigt, auch durch eine Baukommission des Landes Kärnten, die sich das Zentrum  und alle durchgeführten Arbeiten angeschaut hat. Jede Rechnung einzeln wurde abgezeichnet, am Ende auch die Gesamtsumme. Das wird auch bei jeder anderen Rechnungsprüfung so gemacht.

 

August Gril

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Brief von Maria Deutschmann

Maria Deutschmann                                                                           10. 8. 2002
8670 Krieglach

Lieber Herr Gril,
Ich habe ihr Schreiben dankend erhalten. Es hatte sich inzwischen herausgestellt, dass der Fehler bei mir lag. Ich bedaure ihnen wehgetan zun haben. Es war so. Ich habe immer gewartet, ob was in der Zeitung steht, so wie es sonst immer war. Bei meinem Konto habe ich erst später den Auszug bekommen, habe in Semič angerufen, ob dort ein Geld angekommen wäre. Als das verneint wurde, war ich dann nervös und habe bei der Zeitung angefragt. Und gleichzeitig bei Ihnen, Herr Gril. Auf Sie bin ich gekommen, da ich nehme an, dass Sie den Friedhof in Stockendorf die Arbeit übernommen haben. Und das Geld ihnen überwiesen wird. Ich war ja nicht im Bilde, weil jetzt die Kirche in Semič die Renovierung macht, dass sich das verzögert hat mit dem Geld. Ich möchte mich entschuldigen, dass sie mir verzeihen können, ich war aufgeregt. Bitte, danke. Es tut mir richtig leid.
Mit freundlichen Grüßen Maria Deutschmann.

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Zusammenfassender Bericht
zu laufenden Berichten für die UDBA

(Verwaltung für Staatssicherheit)
(Mappe Nemčurji /Deutschtümmler/), geschickt von der Verwaltung des Inneren, Novo mesto (Polizeistationen und Informanten)

Im Rahmen der Archivarbeit über die Behandlung der Deutschen in der Zeit 1945-1991 für eine Diplomarbeit (Geschichte, Humanistische Studien Koper) ist ein Student auf eine Schachtel mit Berichten über die Gottscheer in der Moschnitze gestoßen. Da er von uns Interviews und auch Bücher als Arbeitshilfe bekommen hat, hat er die Materialien kopiert und sie der Familie Debenjak gebracht. Was er sonst  noch gefunden hat, ist aus einer Übersichtstafel ersichtlich.

Ältere Berichte sind nicht enthalten, auch nichts über die Ermordungen der nicht umgesiedelten Gottscheer im Januar und Februar 1946 und ihre damalige Vertreibung. Es heißt nur, dass die Bearbeitung im Jahre 1970 erneut aufgenommen worden ist, nach der Enthüllung eines Mahnmals für gefallene und verstorbene Untertsteirer.

Der erste Bericht ist mit dem 28. April 1976 datiert und beginnt mit der Feststellung, dass 19 Familien 1941 nicht umgesiedelt sind. Sie seien im Krieg meist loyal gewesen, hätten die Widerstandbewegung unterstützt oder sogar als Partisanen gekämpft.
Eingangs sind bei jedem Bericht die Informanten genannt, einige unter Anführungszeichen, also nicht mit dem richtigen Namen.
 
Die Berichte enthalten Aufzählungen von Familien mit der Erwähnung von Einzelpersonen, bei jedem  Bildung, Beruf, vermögend (oder nicht), gläubig usw. Man könnte den Bericht als Verzeichnis der verbliebenen Gottscheer werten. So wurde z.B. bei Jože Tscherne (1913)  bemerkt, er sei sehr gläubig, fast schon mit religiösem Wahn (er war Messner). Er schimpft ständig, ist politisch völlig passiv. Er sagt, dass es bei uns keine Gleichberechtigung gibt, er ist Nachkomme von Deutschen, aber sein Sohn könne keine deutsche Schule besuchen, weil es sie nicht gibt. Im Familienkreis wird deutsch bzw. gottscheerisch gesprochen, in diesem Sinne werden auch die Kinder erzogen. Neuerdings ist er kränklich und trinkt viel (was laut August Gril nicht wahr war). Er hat in Österrech einen Bruder, der Priester ist, sie stehen in brieflichen Kontakt, der Bruder kommt jedes Jahr zu Besuch. Mit ihm lebt im selben Haushalt seine Schwester Černe Jožefa (1912), ledig, politisch völlig ungebildet, sehr gläubig, sie spricht nur Gottscheerisch.

In dem Ton wird über jeden Einzelnen berichtet. Im ganzen Tal gab es unter den Gottscheern nur ein Mitglied der kommunistischen Partei – Henrik Dralka..

Bei der Familie Gril wurde besonders August hervorgehoben; er und seine Frau seinen Privatgewerbetreibende, sehr arbeitsam, sehr vermögend. August habe Kontakte mit Gottscheern in Österreich, 1975 soll er (zusammen mit seiner Mutter, Jože Svašnik aus Altsag, Jože Černe aus Neuberg  an irgendeinem Gottscheer Kongress in Österreich teilgenommen haben. Berichtet wurde, dass sich die erwähnten Gottscheer und noch einige andere im August 1975 im Gasthaus Gril getroffen haben, August habe irgenwelche Papiere vor sich auf dem Tisch gehabt und soll das Treffen geleitet haben. Es wurde festgestellt »Die ganze Familie Gril ist sehr arbeitsam, aufgeschlossen, erfinderisch und materiell gut situiert. Besondere Organisationsfähigkeiten und eine Autorität unter den Gottscheern hat der August.«

Bei Ferdinand Höfferle wird wieder von Briefkontakten mit Verwandten berichtet, dasselbe bei Rudolf Kapsch.

Bemerkungen »politisch positiv« kommen nur bei Familienmitgliedern vor, die sich als Slowenen fühlen und nicht mehr deutsch sprachen. Oder in der Partei sind (Mavsar Brigita). Wieder wird bei der Famlie Poreber bemerkt, alle sind loyale Staatsbürger und fühlen sich als Slowenen.              

Alojz Šprajcar (Spreitzer) ist wieder ein verbissener Gottscheer, obwohl er die Partisanen unterstützt hat und sogar eine Rente bezieht. August Zamida, (der Großvater von Beno Kop), Partisan, sei zwar politisch positiv, aber er stehe in Verbindung mit ehemaligen Gottscheern im Ausland,  er sorge für deren Gräber. Erwähnt werden nur zwei Kinder (der Informator hat Albin Zamida in Hrib bei Mali Rigelj und Justa Rabzelj in Dolenjske Toplice glatt übersehen).

Wenn jemand keine Verwandten im Ausland hat, wird das als positiv verbucht. Es wird auch geschrieben, dass neuerdings immer wieder Gottscheer zu Besuch kommen, sich die Geburtsorte anschauen: Das Fazit lautete:
»In der ganzen Nachkriegszeit konnte in unserem Bereich keine organisierte feindselige Aktivität der Gottscheer registriert werden. Es ist eine Tatsache, dass einige Familien  schon gottscheerisch-slowenisch sind, die meisten anderen sind bereits den  Verhältnissen der Mehrheitsbevölkerung angepasst, augenblicklich stellen sie kein besonderes Sicherheitsproblem dar. 
Jedenfalls verdienen unsere Aufmerksamkeit einige in der Information erwähnte Familien, in erster Linie jedoch August Gril, der in Grosuplje lebt und seine Verwandten in Kočevskje Poljane, Černe Jože aus Nova gora 2, Svašnik Jože, Stare Žage 13, Zamida Avgust, Občice 1, Kapš Rudolf,  Občice 13 und möglicherweise noch einige andere. Diese Kategorie von Fremden bzw. Gottscheer Deutschen, die in unserem Bereich leben und jene von ihren Verwandten und Bekannten , die zu Besuch aus dem Ausland kommen, werden wir weiter observieren und über wichtigere Ereignisse oder Feststellungen laufend berichten. .    
Geschickt an des Innenministerium, USDV II

Beim nächsten Bericht sind schon die Informanten namentlich genannt. Es heißt wieder, typisch für diese Struktur ist sehr starke Gläubigkeit. Auch der Einfluss der Eltern auf die Kinder ist beträchtlich. Alle beherrschen die deutsche Sprache, sind sehr unternehmerisch, gläubig, Sie sprechen untereinander deutsch. Matkovič Alojzija (Tchermoschnitz) sorgt für Gottscheer Gräber. Sie, Rauh Jože aus Mitterdorf (bei Tschermoschnitz) und Franc Jaklitsch seien ein Bindeglied mit Gottscheern im Ausland und empfangen viele Besuche. Vekoslava Matkovič spüre keine Zugehörigkeit zu Jugoslawien, Sie könne es nicht vergessen, dass ihr Vater erschossen worden ist.  Angeblich sprechen ihre Mutter Alojzija und sie zu Hause Deutsch.

Am 2. Juni 1983 war es ein Telegramm wert, zu berichten, dass Hans Ivan Jaklitsch bei der Gottscheer Zeitung eine Todesanzeige für seinen Vater Franz bestellt hat.  Antwort: den Ivan überprufen, auch mit technischen Mitteln. Am 19. 8. wurde über 29 ! Gottscheer berichtet. (Allerdings konnte nur das Telefon von Jaklitsch abeghört werden – alle anderen hatten keins!)

Schließlich kam am 22. 12. 1986 die Feststellung, dass die Deutschen Allgemein keine Gefährdung mehr darstellen, weil sich die Aktivitäten der Volksdeutscher (im Ausland) ausschließlich auf die Pflege der Tradition beschränken, außerdem seien sie alt und sicherheitsmäßig uninteressant.  Anlässlich von Besuchen konnten keinerlei sicherheitsmäßig relevante Momente festgestellt werden. Es wurde vorgeschlagen, die Observation zu beenden und die Einheit nicht mehr zu führen.

Was die Informanten aus der nächstem Umgebung störte war:

  1. Gläubigkeit,
  2. Verwendung der deutschen Sprache in der Familie,
  3. Pflege von Gottscheer Gräbern,
  4. Begrüßung und Empfang von Besuchen von vertriebenen Gottscheern.

Allerdings ist über Leute, die nicht mehr ständig im Tal gelebt haben, nichts über ihre Aktivitäten im neuen Wohnort enthalten. Das liegt womöglich in einer anderen Schachtel, eventuell nicht unter »Nemčurji«. August Gril war z. B. damals der Hauptaktivist beim Bau der neuen Kirche in Grosuplje, was bestimmt nicht unbemerkt geblieben ist.  

Klar geht daraus auch hervor, dass z. B. August nie Kommunist gewesen ist (was die Gottscheer groß herumreden), dass er sein Vermögen keinesfalls durch irgendeine Verwaltung von Gottscheer Geldern, aber auch nicht erst in den 90. Jahren gemacht hat.  Dass Leute observiert wurden aus völlig nichtigen Gründen usw. Und das die Feststellungen nie etwas sicherheitsmäßig Relevantes an den Tag gebracht haben.

Zusammengestellt von Doris Debenjak

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